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Im Vorwort zu den „Philosophischen Untersuchungen“ vergleicht Ludwig Wittgenstein sein methodisches Vorgehen mit dem Erkunden einer Stadt. Um diese wirklich kennen zu lernen, reicht es nicht aus, nur die bekannten und belebten Hauptstraßen zielgerichtet zu begehen. Erst über Um- und Abwege durch die Vielzahl der Nebenstraßen und der kleinen Plätze erschließt sich das Ganze. Im Vortrag gehen wir der Frage nach, wie diese nicht-systematische Methode der philosophischen Untersuchung (nicht zu verwechseln mit unsystematisch!) auf den Coachingprozess übertragen und angewendet werden kann. Die Rolle des Coaches ist in diesem Verständnis weniger die eines Begleiters, sondern mehr die eines „Besuchers“ des Systems des Klienten. Die Intention besteht nicht darin, so schnell wie möglich von A nach B zu kommen, sondern „hellhörig“ die dem ersten Blick oft verbogenen Licht- und Schattenseiten aufzufinden, entdeckte Unstimmigkeiten und Widersprüche naiv-kritisch in Frage zu stellen sowie überraschenden Wendungen offen gegenüber zu stehen. Coaching ist in diesem Sinn keine exakte Technik oder Wissenschaft sondern angewandte praktische Vernunft im Sinne Aristoteles.
Martin Haberzettl
Dipl.-Psych. mit Approbation, NLP-Lehrtrainer und Lehrcoach, tätig in den Bereichen Ausbildung, Coaching, Führungskräfteentwicklung und Führungsethik. Ausgebildet in NLP, Psychotherapie, Hypnotherapie, Teamtraining und Prozessmoderation. Derzeit Studium der Philosophie. Wissenschaftliche Arbeit im Bereich Psycho-Neuro-Immunologie. Buchautor u. a. zu den Themen Moderation & Training, Changemanagement und Führungsethik.