Offener Brief an Prof. Kanning: NLP wissenschaftlich gut fundiert

13.08.21

Prof. Uwe Peter Kanning veröffentlichte in der Zeitschrift Impulse Juni 2021 einen Artikel mit Vorwürfen gegen NLP.

Diesen Artikel hat Dr. Susanne Lapp zum Anlass genommen, einige wissenschaftliche Fundierungen des NLP zusammenzustellen und in einem offenen Brief an Prof. Kanning seine Vorwürfe zu widerlegen.

Der offenen Brief an Prof. Kanning ist auf dem NLP-Bolg zu finden: https://dvnlp.de/blog/2021/08/13/offener-brief-an-prof-kanning/


Eine kleine Auswahl der Erkenntnisse an dieser Stelle:

1. Zur wissenschaftlichen Fundierung des Spiegelns
Im NLP spielt das so genannte Spiegeln, also das Übernehmen des körpersprachlichen Ausdrucks meines Gegenübers,eine große Rolle beim Aufbau von Rapport. Als Bandler und Grinder das Spiegeln (Pacing auf Englisch) in den 70er Jahren erstmals beschrieben, war wissenschaftlich nicht zu begründen, wieso es zu so guten Ergebnissen führt, wie es NLP-Anwender überall auf der Welt immer wieder erleben.

Dies änderte sich auch nicht in den von Ihnen angesprochenen 80er Jahren.

Im Jahr 1992 jedoch beschrieb der Italiener Giacomo Rizzolati mit seinen Mitarbeitern erstmals das Phänomen so genannter Spiegelneuronen. Wikipedia schreibt dazu: „Dabei handelt es sich um Nervenzellen, die im Gehirn von Primaten beim „Betrachten“ eines Vorgangs das gleiche Aktivitätsmuster zeigen wie bei dessen eigener Ausführung.“

Seit 2010 sind diese Spiegelneuronen auch bei Menschen nachgewiesen. Auch wenn ihre Funktion noch nicht abschließend geklärt ist, geht man allgemein davon aus, dass sie für Imitation und Empathie eine große Rolle spielen. So schreibt es zum Beispiel die Grande Dame der deutschen Trauma-Therapie, Luise Reddemann, zusammen mit ihrer Co-Autorin in ihrem Buch „Gefühle besser verstehen“ von 2019. 

Genauso, wie es beim Spiegeln im NLP seit den 70er Jahren beschrieben und gelehrt wird.

2. Die Hebbsche Regel und ihre Bedeutung für das Konzept des Ankerns im NLP

Anker nutzen wir im NLP, um Ressourcen „auf Knopfdruck zugänglich zu machen“. Durch einen Stimulus, also zum Beispiel die Berührung des Zeigefingerknöchels der linken Hand, wird ein Response, zum Beispiel ein Absinken des Muskeltonus und damit das Erleben einer Entspannung, ausgelöst. Entsprechende Beobachtungen von (zunächst unfreiwilligen) Stimulus-Response-Kopplungen beschrieben Bandler und Grinder ebenfalls bereits in den 70er Jahren und leiteten in ihren Arbeiten dann daraus ein Konzept ab, um diese Kopplungen bewusst zu implementieren und für den gezielten Ressourcenzugang nutzbar zu machen.

Ob sie die Arbeit des Psychologen Donald Olding Hebb und seine bereits 1949 in seinem Buch „The Organisation of Behavior“ formulierte Lernregel kannten, weiß ich nicht, aber Ihnen möchte ich sie nicht vorenthalten (ebenfalls zitiert nach Wikipedia): „Wenn ein Axon der Zelle A Zelle B erregt und wiederholt und dauerhaft zur Erzeugung von Aktionspotenzial in Zelle B beiträgt, so resultiert dies in Wachstumsprozessen oder metabolischen Veränderungen in einer oder in beiden Zellen, die bewirken, dass die Effizienz von Zelle A in Bezug auf die Erregung eines Aktionspotenzials in B größer wird. .. Je häufiger ein Neuron A gleichzeitig mit Neuron B aktiv ist, umso bevorzugter werden die beiden Neuronen aufeinander reagieren („what fires together, wires together“). Dies hat Hebb anhand von Veränderungen der synaptischen Übertragung zwischen Neuronen nachgewiesen. 

„Als endgültige Bestätigung von Hebbs Thesen gelten die Experimente von Terje Lomo und anderen in den 1960er und 1970er Jahren und der direkte Nachweis der Veränderung von Signalübertragung als Teil des Mechanismus für Lernprozesse und Gedächtnis im Jahr 2014“. (ebenfalls Zitat Wikipedia). Genau diesen Mechanismus machen sich NLPler beim Setzen von Ankern zunutze.

3. Weitere neuro-wissenschaftliche Fundierungen von NLP-Techniken 
Weitere neuro-wissenschaftliche Fundierungen von NLP-Techniken sind gut zusammengefasst in dem Buch von Franz Hütter und Sandra Mareike Lang, Neurodidaktik für Trainer, 2017 Bonn. Einige Beispiele aus dem Inhalt seien an dieser Stelle erwähnt:

  • Wieso die Definition von Zielen hilfreich ist
  • Wieso der Aufbau von Rapport so gut funktioniert (er führt zur Ausschüttung des Wohlfühl- und Bindungshormons Oxytocin)
  • Wieso die Arbeit mit Werten so wichtig ist
  • Was beim Reframing im Gehirn funktioniert
  • Wie es bei der Teilearbeit zu einem Dialog neuronaler Netzwerke kommt