Cersten Jacob

motivation in sinn- und unsinns-poesie von ernst jandl

„er habe immer etws zu sagen gehabt und er habe immer gewusst, dass man es so und so und so sagen könne; und so habe er sich nie darum mühen müssen, etwas zu sagen, wohl aber um die art und weise dieses sagens. denn in dem, was man zu sagen hat, gibt es keine alternative.; aber für die art und weise, es zu sagen, gibt es eine unbestimmte zahl von möglichkeiten. es gibt dichter, die alles mögliche sagen, und dies immer auf die gleiche art und weise. solches zu tun habe ihn nie gereizt; denn zu sagen gebe es schließlich nur eines; dieses aber immer wieder, und auf immer neue weise.“ ernst jandl

urteil

die gedichte dieses mannes sind unbrauchbar. / zunächst / rieb ich eines in meine glatze.

vergeblich. es förderte nicht meinen haarwuchs. / daraufhin / betupfte ich mit einem meine pickel. diese / erreichten binnen zwei tagen die größe mittlerer kartoffeln. / die ärzte staunten. / daraufhin / schlug ich zwei in die pfanne. / etwas misstrauisch, aß ich nicht selber. / daran starb mein hund. / daraufhin / benützte ich eines als schutzmittel. / dafür zahlte ich die abtreibung. / daraufhin / klemmte ich eines ins auge  /und betrat einen besseren klub. / der portier / stellte mir ein bein, dass ich hinschlug. / daraufhin / fällte ich obiges urteil. 

ernst jandl

http://www.ernst-jandl.de

Der Lyriker Ernst Jandl  knüpfte in der 2. Hälfte des 20. JH an dadaistische Traditionen an und entwickelte sie weiter. Viele seiner Gedichte haben außer dem formal Neuen tiefen philosophischen Sinn. Auch heute noch überrascht seine Kreativität.

Cersten Jacob

Lehrtrainer (DVNLP), Master-Coach (DVNLP), Wingwave-Coach, Heilpraktiker für Psychotherapie ist in seinem Erstberuf Schauspieler gewesen. In dieser Funktion entwarf, inszenierte und spielte er mit seinem Freund und Kollegen Werner Bauer das Stück „pirsch – döppelte der gottelbock“ aus Texten von Ernst Jandl. Eine Auswahl von Sprech- und Sprach-Gedichten aus diesem Repertoire passt gut zum Thema „Motivation und Sinn“. Mitdenken macht Sinn in Jandls Unsinnsspoesie.
www.daedalus-institut.de